Course Offerings

Prof. Kerstin Rupp

BA/MA Visual Communication

Garten der Kindheit – Andreas Mand »Grovers Erfindung«

Der Roman »Grovers Erfindung« von Andreas Mand, erschienen 1990, ist kein
echter Roman. Es gibt keine Erzähl- und Tiefenstruktur, keine Problembewältigung, keine Entwicklung der Geschichte oder Figuren.

Was sich dafür vor uns aufblättert, ist das fast komplette, brilliant geschilderte Archiv eines zwölfjährigen westdeutschen Jungen in den siebziger Jahren. Mit der
Naivität der Welteroberung eines Kindes nimmt Andreas, der altkluge Ich-
Erzähler, uns mit in die Welt seiner Kindheit und schafft damit etwas, was den
wenigsten Erwachsenen nochmal gelingt: Sich wie ein Kind zu fühlen und die Dinge aus dieser Perspektive und mit dessen Sprache wahrzunehmen; Dinge, die längst und unwiederbringlich vorbei sind, nochmal ans Licht zu bringen, so dass wir sagen: Ja, genau, so war es, das Gefühl kenne ich.

Anhand des Romans wollen wir uns in eine Bild- und Schreibwelt begeben, die ein solches Archiv in uns auslösen mag. Dabei werden wir Begriffe wie Erinnerung, Kindheit und Kindheitserfahrung, Authentizität, Empathie, Perspektiv-
übernahme genauso zu ergründen versuchen wie das Geheimnis, ob und wie es uns gelingen kann, als ZeichnerInnen „große Kinder“ zu bleiben. Wir überprüfen unser Staunen, Stolpern und unsere Unwissenheit, die uns zu ZeichnerInnen mit einem Sehnsuchtspotential werden lässt. Wie sieht die Erinnerung aus, welche Bilder löst sie aus, wenn wir ein solches Buch zur Hand nehmen? Vielleicht sind das Geheimnis guter Bilder unsere Wahrhaftigkeit und Empathie?

Am Ende des Semesters wollen wir Andreas Mand zu einer Lesung in die Hochschule im Rahmen der Präsentation einladen.

Wintersemester 2017/2018

2. study-segment

Location : Produkt, C3.04


Compulsory : Pflicht

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