Course Offerings

Prof. Dr. Gabriele Werner

Theory and History

Seminar

Theorien visueller Kulturen: Liebe

Das Seminar findet Dienstags von 11:30h bis 13:00h im Mart Stam Raum statt.

„Im Äußersten jedoch sind wir entschlossen, zu bejahen, was unser Leben in Gefahr bringt.“ Wer hätte gedacht, dass Bella nach der Philosophie des französischen Intellektuellen Georges Batailles lebt, als sie sich in den Vampire Edward verliebt und zum Äußersten bereit ist – sowohl in sexueller als auch in familienplanerischer Hinsicht (The Twilight Saga)? „Love is a force of nature“ lautete der Untertitel zu Ang Lees Film „Brokeback Mountain“. Muss eine Naturgewalt heraufbeschworen werden, um homosexuelle Liebe zu legitimieren? Sicher ist, dass in diesem Film wohl zum ersten Mal im Mainstream-Kino zwei Männer beim Analverkehr gezeigt werden und dies als Bild innigster Vereinigung. Liebe ist weder „nur ein Wort“, wie der, von jüngeren Generationen wohl längst vergessene, Schriftsteller Johannes Mario Simmel 1963 einen seiner Bestseller betitelte, noch ein unbedingtes, ganz privates Gefühl. Das Private ist politisch: „Liebe bietet nur denjenigen persönliche Freiheit, die ohnehin bereits über ein gewisses Maß an objektiver Freiheit am Arbeitsplatz verfügen.“ (Eva Illouz)

Das was „Liebe“ genannt, wird steht also im Kontext sich tradierender Normalitätskonstruktionen, etablierter und erprobter Denkmodelle, von Gesetzen (des Marktes) und Wertecodes, ob affirmativ oder diese subvertierend ist dabei zunächst egal, denn Ziel des Seminars ist, die jeweilige vielfältige theoretische Bedingtheit des Gefühls beschreiben zu können. Es geht also darum, unterschiedliche Definitionen und Formen der Liebe kennenzulernen, um diese mit Bildern von der Liebe zu konfrontieren.
So hält das Mainstream-Kino Bilder für verschiedenste Spielarten der Liebe bereit:
- für die hingebungsvolle, uneigennützige Liebe, die von ökonomischen Erwägungen frei ist (Love Story, 1970, Regie: Arthur Hiller);
- für das romantische Ideal einer symbiotischen Erfahrung des Ausseralltäglichen (Ghost – Nachricht von Sam, 1990, Regie: Jerry Zucker);
- für die Kommerzialisierung des romantischen Ideals (Pretty Woman, 1990, Regie: Garry Marshall; Fifty Shades of Grey, 2015, Regie: Sam Taylor-Johnson)
- für Liebende, die ihre Leidenschaft gegen eine repressive Gesellschaftsordnung behaupten (When Night is falling, 1995, Regie: Patricia Rozema; Lost and Delirious, 2001, Regie: Léa Pool)
- die fürsorgliche Liebe (Martha, 1974; Die Tribute von Panem – The Hunger Games, 2012)

„Liebe macht blind“ heißt es, aber das höchste Ideal heteronormativer christlicher Liebeserwartung steckt immer noch in den Worten: „Und Adam erkannte sein Weib Eva.“ (1. Moses, 4,1)
Wie aber verhält es sich mit „der Liebe“ in anderen kulturellen, politischen und sozialen Ordnungen? Hier sind die Seminarteilnehmer_innen aufgefordert, ihr Wissen einzubringen.

Theaterbesuche (Vorschlag): Othello, von Soeren Voima, nach William Shakespeare, Maxim Gorki Theater; Feinde – die Geschichte einer Liebe, von Isaac Bashevis Singer, Bühnen-Fassung von Yael Ronen, MaximGorki Theater

Sommersemester 2016

1. study-segment

Weekday : Dienstag

Cycle : wöchentlich

Start : 19.04.16

End : 12.07.16

Location : Mart Stam Raum, G1.01


Compulsory : Wahlpflicht

Precondition : Keine

Registration : In der ersten Sitzung

Examination Type : mdl. Referat / schriftl. Hausarbeit

Number of participants : 0 (0)

Hours/week : 2

Hours : 28

Module : BA - Theorien visueller Kulturen

Credit Points : 2