Course Offerings

Michael Schwarz

MA Spatial Strategies

Seminar

OBJEKT <-> SUBJEKT UND HANDLUNG zwischen Konstruktivismus und Behaviorismus

OBJECT <-> SUBJECT AND ACTION between Constructivism and Behaviorism

Im Verlauf des Seminars soll der Objekt- und Handlungsbegriff unter einem erkenntnistheoretischen und ästhetischen Gesichtspunkt untersucht werden. Der frühkindlich erworbene Objektbegriff ist nicht zu trennen von Handlungskomplexen eines sich daran differenzierenden Subjekts.

Aus aktuellem Anlass können wir das „künstlerische Objekt“, das im Zentrum des Symposiums – „The Readymade Century“ ©HKW – steht, durch Aneignung und Defamiliarisierung der dort verhandelten theoretischen und künstlerischen Beiträge in unsere eigenen Diskussionen eingliedern. D.h. zum Auftakt des Seminars werden wir am 12.10. nachmittags sowie am 13.10. das Symposium im HKW* besuchen.

In the course of the seminar, the concept of object and action is to be investigated under an epistemological and aesthetic point of view. The concept of an object, which is acquired in an early child development, cannot be separated from the action complexes of a differentiating subject.

On the occasion of the event, we may incorporate the "artistic object", which is at the center of the symposium – "The Readymade Century" © HKW – by appropriating and defamiliarizing the theoretical and artistic contributions negotiated there, into our own discussions. At the beginning of the seminar, we will attend the symposium at the HKW* (12./13.10.2017).

Ist das Objekt bei Freud der wechselnde Bezugspunkt für die Triebhandlungen, so ist das sensomotorische Handlungsschema bei Piaget analog dazu das sich am Objekt entwickelnde System von Bedeutungen (noch vor jedem Spracherlernen) und die Grundlage für das spätere anschauliche, begriffliche, aber auch formale Denken mit der Möglichkeit der Formalisierung (Algorithmisierung). Mit der praktischen „Halbfiktion“ des kindlichen Handelns mit stellvertretenden Objekten (Spielen) und der „imaginativen Fiktion“ des Handelns ohne Objekt (Vorstellung) bildet sich ein Wirklichkeits- bzw. Realitätsprinzip heraus, ohne das kein Weltbild denkbar wäre.

Nebenbei müsste sich durch den Handlungsbegriff die Duchamp’sche Haltung zur „retinalen Kunst“ und die Rekontextualisierung seiner Objekte etwas angemessener verstehen lassen, als sie auf ein Begriffssystem der Sprache zu reduzieren?

Weiter in Bezug dazu bleiben unsere bisherigen Überlegungen zum Bildbegriff, den man aus obigen Gründen bei den Convolutional NN vermisst, weswegen sie keine Bilder erkennen... und des algorithmischen Lernens, das ohne Nachahmung, Spiel und Traum (Piaget) keine Intention, d.h. auch keine Begriffe von Möglichkeit, Notwendigkeit, Zeit und Raum konstruiert.

*Im Rahmen von „100 Jahren Gegenwart“ fragt das Symposium im HKW: „Welche Bedeutung hat das Konzept des Readymade – von Marcel Duchamp ab 1916 zur Bezeichnung seiner vorgefertigten (‚already made‘) Kunstwerke verwendet – angesichts der globalen wie digitalen Transformationen des 21. Jahrhunderts?“. Verhandelt wird das Objekt als „Algorithmic Act“ (Katja Kwastek, Oliver Laric), als Spekulationsobjekt für den Kapital- und Theorie-Markt (Sven Lütticken, Simon Denny), als transkulturelles re- und dekontextualisiertes Objekt (Benjamin Meyer-Krahmer, Kader Attia) wie auch als immaterielles Phänomen von Copyrights, Urheberschaft, Originalität und Entfremdung, auch im Feld konzeptioneller Kunst (Martha Buskirk, Olaf Nicolai) bzw. (Lars Blunck, Saâdane Afif).

Unter den vielfältigen Aspekten zum Objekt und zur Handlung können Referate, Hausarbeiten oder eigene künstlerische Arbeiten entstehen.

Link:
https://www.hkw.de/de/programm/projekte/2017/the_ready_made_century/the_ready_made_century_start.php

Literatur:
Foos, Peter: L’objet ambigue in Philosophie und Kunst. Valéry, Kant, Deleuze und Duchamp im platonischen Differential. Düsseldorf 1999.
Gauss, Ulrike (Hrsg.): Marcel Duchamp: Interviews und Statements. Gesammelt, übersetzt und annotiert von Serge Stauffer. Ostfildern-Ruit 1992.
Molderings, Herbert: Marcel Duchamp. Parawissenschaft, das Ephemere und der Skeptizismus (1983). Düsseldorf 1997.
Piaget, Jean: Nachahmung Spiel und Traum (1959). Stuttgart 1975.
Piaget, Jean: Das Weltbild des Kindes (1926). Stuttgart 1978.
Pörksen, Bernhard (Hrsg.): Schlüsselwerke des Konstruktivismus. Wiesbaden 2011.
Schwarz, Arturo: The Complete Works of Marcel Duchamp. New York 2000.

Wintersemester 2017/2018

1. and 2. study-segment

Weekday : Mittwoch

Cycle : Wöchentlich

Time: 14.00 h

Start : 12.10.17

End : 07.02.18

Location : Raumstrategien, T3.01


Number of participants : 0 (0)