Prof. Dr. Samson Dietrich Sauerbier


Sprechstunden

nach Vereinbarung

Statement

Bill Gates & Co. haben die Welt gehörig verändert - es
kömmt darauf an, sie zu interpretieren.
(Nach Th.W.A.)

Die künstliche Erzeugung und Bearbeitung von Wirklichkeit
nimmt zu. Können wir uns damit begnügen, daß dies
kunstfertig und kunstvoll geschieht? Wirklichkeit für sich
gibt’s bekanntlich nicht, sie wird realisiert. In wessen Macht
steht aber heute das Herstellen von Wirklichkeit?
Realisieren heißt auch wahrnehmen, was wiederum mit
Interessen zu tun hat. »Wer die Macht über die Bilder hat,
hat auch die Macht über die Köpfe«: Bill Gates denkt
so in unseren Köpfen. Mit dem Überbieten erwartbarer
Zeichen in Massenkommunikation und Kunst haben wir
kaum Chancen, vielmehr mit dem Unterschreiten und
Unterbieten.

Wir tun es, aber wir wissen es nicht.
(Nach K.M.)

Alles Denken verläuft in Zeichen, all unsere Empfindungen,
Bewertungen und Urteile beruhen prinzipiell auf
Interpretation, auf Übersetzung, Übertragung,
Metaphorisierung...Fraglos muß eine Verknüpfung der
Lehre mit der künstlerischen und gestalterischen
Praxis gewährleistet sein; eine Theorie der Zeichen kann
sinnvoll aus der Zeichenpraxis gewonnen werden, und das
schließt ästhetische Erfahrung des Lehrenden ein.

Der Pudding erweist sich beim Essen.
(F. E.)

Warum sollen wir an die ästhetischen Erfahrung
anknüpfen? In der Kunst und namentlich in der Antikunst
war vieles Gegenstand der ästhetischen Untersuchung,
was nun im Kommunikations- und Produktdesign zu Mitteln
funktionalisiert wird: so etwa Zusammenhänge von Texten
und Bildern mit Dingen / Handlungen/Ereignissen /
Umgebungen, ebenso deren Zeichenstrukturund die
Methoden ihrer ästhetischen Manipulation - exemplarisch
der Reproduktion: der Übertragung, Vervielfältigung und
Wiederholung.
Tatsächlich fand aber die schlechte Aufhebung der Kunst
im Alltag statt. Den ideellen gesellschaftlichen Reichtum
avancierter Kunst eignete sich die Kulturindustrie für ihre
Verwertung an, beispielhaft Sampling und Remix der
Medienkunst. Wird heute lautstark Interaktivität propagiert,
so hieß das für die Erfinder der Intermedia- und
Multimedia-Kunst dermaleinst eben nicht bloße
Auswahl aus dem Angebot.
In Planspielen der Antikunst wurde Herrschaftsfreiheit
erprobt. Paradigma war die Utopie der Unmittelbarkeit -
exemplarisch durch die Kunst (wieder)herzustellen: Die
Verhältnisse der Menschen sollten nicht mehr durch Waren
vermittelt sein. Wie so viele war ich überzeugt, man
brauchte die Kunst nun nicht mehr als das Besondere, das
ganz Andere...
Negativ wurde diese Utopie allerdings realisiert als
umfassende Ästhetisierung des Lebens. Das einfache
Ausführen, Vorzeigen und Verweisen ist negativ aufgehoben
in den Waren-Offerten.
Beim Zurschaustellen der Waren wurde zudem Darstellung,
Mimesis aufgegeben. Die ästhetische Utopie verkam zur
Ideologie magischer Unmittelbarkeit. Im Recht wähnen sich
nun die Propagatoren des siegreichen real existierenden
Kapitalismus nach dem Niedergang des
Staats->Sozialismus

Biografie

Geb. 1942 in Imst/Tirol. Studium Kunstwiss., Literaturwiss.,
Theaterwiss.; daneben Publizistik, Komm.wiss.,
Philosophie: Universitäten Wien, Hamburg, Berlin (FU).
M.A., Dr.phil. (Theater-/Film-Fernsehwiss.), Dr. phil. habil.
(Kunstwiss.).

Publikationen

seit 1960; Monographien u.a. Gegen Darstellung!
Ästhetische Handlungen und Demonstrationen. Die zur
Schau gestellte Wirklichkeit in den zeitgenössischen
Künsten. Köln 1976.
Wörter, Bilder und Sachen. Grundlegung einer
Bildersprachlehre. Beitr.e zur Literatur- u.
Sprachwissenschaft. (Abt. Allgem. Literaturwiss.)
Heidelberg 1984)

Etliche Beiträge zu Kunst- und Sprachwissenschaft /
Ereignis- u. Handlungstheorie der Künste / Semiotik in
Sammelwerken, Zeitschr.en u. Katalogen zu P.P. Rubens,
M. Broodthaers, B. Brock, G. Uecker, R. Zaugg u.v.a.

Rezensionen der documenta-Rezensionen

Beiträge im Lexikon Kritischen Lexikon der
Gegenwartskunst ( über A. Kaprow, A. Köpcke, D. Goltzsche,
E. Williams, G. Brecht, G. Rühm, KP Brehmer, N. Meyer, T.
Schmit u.a.) sowie im AKL Saur.

Künstler. Publ. in augenblick, NUL, Revue Integration,
Edition et, Fluxus-Atlas, Spatial Poems u.a.
sowie »Seife waschen. Oder: Der Sinn der Sache. Ein
Sammelsurium.« Salzburg 1994. (seither in Fortsetzung,
inzwischen ca. 3.500 Geschichten)

Lehrkonzeption

»Bunt ist alle Theorie« — Verknüfung von Theoriedesign mit
sinnlich-sichtbarer Arbeit.
Lehrtätigkeiten mit/in … Architektur; Ästhetische Erziehung;
Theater-/Film-/Fernsehwiss.; Kunstwiss.

Ausstellungen

seit 1959; derzeit Teilnahme an: »Fluxus in Deutschland«
(Institut f. Auslandsbeziehungen – Wanderausst.); »Die
algorithmische Revolution« (ZKM Karlsruhe);

seit 1962/64 Gemeinschaftsarbeiten / Aufführungen mit
Günther Uecker.