Heinz Hoyer


Statement

...plastische Erscheinungen als Kräftebilder erlebbar machen...

Grundlagenvermittlung ist nur möglich, wenn es ein Bedürfnis
danach gibt. Das ist in der Regel am Anfang des Studiums am
größten, wenn man vor der Frage steht: Wie soll ich beginnen?
Für mich sind die Studiengruppen am interessantesten, die die
größte Fachgebietsmischung aufweisen. Das
Aufeinandertreffen von gegensätzlichen Herangehensweisen an
eine Aufgabe (mehr intuitiv oder mehr rational, analytisch oder
impulsiv) führt zu einer produktiven Atmosphäre, läßt die
Studenten die eigene Individualität und die der
Gruppenmitglieder erleben und der Gewinn für alle Beteiligten
ist am größten.
Was kann man vermitteln? Wenn es gelingt, ein Gefühl für
Körper und Raum, überhaupt für die 3. Dimension und den
spielerischen Umgang mit ihr, für das Material, seine
Eigenschaften, Möglichkeiten und Grenzen, zu wecken, ist schon
viel erreicht. Es ist mir wichtig, das Abstraktionsvermögen der
Studenten zu entwickeln, ihnen plastische Erscheinungen als
Kräftebilder erlebbar zu machen, die sie in der Natur erkennen,
um mit ihnen in der eigenen Arbeit gestalterisch umgehen zu
können.
Durch unterschiedliche Aufgabenstellungen ( z.B.
Metamorphose-Naturform ) wird der Dualismus der plastischen
Form verständlich; sowohl ihr Empfindungsgehalt als auch ihre
Möglichkeit zur Darstellung. Es geht nicht um die bildnerischen
Mittel als Selbstzweck. Erst durch ihre Anwendung, ihre
Brechung durch die Individualität und die Begabung der
Studenten werden sie zu künstlerischen Mitteln.

Lehrkonzeption

Innerhalb des künstlerischen Grundlagenstudiums versteht sich
das Fach plastisch-räumliches Gestalten als der Bereich, der
sich mit den Problemen der dreidimensionalen Form und der
grundlegenden Untersuchung elementarer Beziehungen
zwischen Körper und Raum auseinandersetzt.
Das Studium der sich im Raum entwickelnden Natur (sowohl
der organischen wie der anorganischen), ihrer Wachstums- und
Bewegungsformen bildet den Ausgangspunkt des freien
Umgangs mit der Form und ihrer Gestaltung. Die Darstellung
und Analyse von Körper- und Raumdurchdringungen,
Formverwandlungen, der Naturform, von Raumkonstruktionen
und Untersuchungen der Gestaltverwandlung von Körpern durch
Querschnittsdrehungen, sowie die Erweiterung des Grundproblems
Körper-Raum durch den Umgang mit dem Repertoire von
Gestaltungsmitteln wie Farbe, Licht, Bewegung, Akustik, Zeit und
das Experiment mit den unterschiedlichsten
Materialien bilden den Hauptinhalt des Unterrichts. Weitere
Aufgabenstellungen beinhalten die Auseinandersetzung mit
Formvorgängen in der Fläche oder auf der Oberfläche von
Körpern (Relief), das Materialrelief (Strukturen,Texturen,
rhythmische Übungen), tektonische Übungen und (bei
ausreichenden Vorkenntnissen) die Möglichkeit, einen Kopf zu
modellieren. Bildhauerische Werklehre sowie einfache
Abformtechniken sind Bestandteil des Unterrichts.

Dem Konzept der Kunsthochschule Berlin-Weissensee
entsprechend, findet der Unterricht in gemischten Gruppen statt.
Das heisst, in jeder Seminargruppe sind Studenten aller
Fachgebiete vertreten. Das hat zum einen den Vorteil, dass
durch das Aufeinandertreffen von gegensätzlichen
Herangehensweisen an eine Aufgabe (mehr intuitiv oder mehr
rational, analytisch oder impulsiv) eine produktive Atmosphäre
entsteht, die den Studenten die eigene Individualität und die der
Gruppenmitglieder erleben lässt. Zum anderen wird durch die
persönlichen Kontakte die Grundlage für eine fachübergreifende
Zusammenarbeit in den höheren Studienjahren gelegt. Bewusst
werden im 1. Semester (Orientierungssemester) mehr
Aufgaben gestellt, als in der vorgesehenen Zeit zu bewältigen
sind. Im 2.Semester (Vertiefungssemester) werden dann 2-3
Aufgaben ausgewählt, wobei sich der Student schon im voraus
gedanklich mit seinen Aufgaben auseinandersetzen kann.
Neben den traditionellen Materialien sollen für die Umsetzung
der Aufgabenstellungen auch die neuen Medien wie Video,
Computer oder Foto eingesetzt werden. (Umgang mit realen
sowie virtuellen Körpern und Räumen). Das Experiment nimmt
einen breiten Raum ein. (Umwege und Irrwege sind wichtige
Erfahrungen auf dem Weg zur Lösung eines Problems).

Ziel des Unterrichts ist die Vermittlung elementarer
Gestaltungsgrundlagen des Dreidimensionalen.
- sehen lernen ( an der äußeren Form die innere Struktur
erkennen)
- begreifen ( physisch und geistig), analysieren
- gestalten
Es geht darum, Sensibilität für Körper und Raum, überhaupt für
die 3. Dimension und den spielerischen Umgang mit ihr, für das
Material, seine Eigenschaften, Möglichkeiten und Grenzen zu
vermitteln. Wichtig ist mir, dass die Studenten neben dem
Raumgefühl Abstraktionsvermögen und Formbewusstsein
entwickeln, dass sie plastische Erscheinungen als Kräftebilder
erleben, die sie in der Natur erkennen, um mit ihnen in der
eigenen Arbeit gestalterisch umgehen zu können.

Heinz Hoyer