Christine Perthen


Statement

Im Geviert der durch Benennung klar abgesteckten Aufgabe beginnt, entfernt von aller Tagesaktualität, die »Aufrüstung der Figuren«, die Überformung der Körper. Denn sie bleiben, sind Anlaß für Aufputz, für Draperie, für Schleppendes, Wallendes,
Verbreiterndes, vom Körper ferngehaltenes, mit Einschnürungen ihn unter seine Kontur zwingendes; für Überkopfhohes, Kniebedeckendes, Schenkelschmales, Maßvolles und Maßloses.

Letzteres, so hoffe ich, wenn es sich um Phantasie handelt, um Purismus oder Pracht, auch bei Grenzüberschreitungen.

Die Macher, zu Zeiten selbst Akteure, Produkte und Produzenten dieses Zeitgeistes, getrieben von der uralten Sucht nach Schönheit, der eigenen, wie der der anderen, suchen ihre Rolle, auch im Versteck. Sie artikulieren sich, die Urenkel der Eva, des
Narziß, eines des Esseintes. Und so treiben sie Pilger über den Laufsteg, die in bodenlangen Taschen nach Brevieren mit unbekannten Chiffren suchen könnten; lassen auf Biedermeierröcken Rosen aus Baufolie erblühen, konstruieren Rockgefängnisse, die
uns an die Baukastensätze kleiner Brüder erinnern etc. etc.
Auf meiner Staffelei steht geschrieben:
groß zu klein
dick zu dünn
Asymmetrien
auch ich suche nach Maßen

Biografie

21.07.1948 - 30.12.2004

Christine Perthen, geboren 1948 in Pirna.
Nach dem Abitur Lehre als Industrienäherin.

1967 bis 1972 Studium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee, anschließend Industriedesignerin,

ab 1976 Studium an der Akademie der Künste der DDR, Meisterschülerin bei Werner Klemke.

Seit 1977 Lehrauftrag an der Kunsthochschule
Berlin-Weißensee.

Ab 1980 freiberuflich als Graphikerin und Zeichnerin in Berlin.

1993-2004 ordentliche Professur an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.
Arbeiten von Christine Perthen finden sich in zahlreichen in- und ausländischen Museen und Sammlungen, u.a. in Berlin, Leipzig,
Dresden, St. Petersburg, Moskau, Oberhausen, Düsseldorf, Albstadt.

Publikationen

Katalog: Christine Perthen , Zwischen Schädel und Fels,
Handzeichnungen - Radierungen - Übermalung, 2001

Rainer Maria Rilke
"Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge"
Illustrationen: Vor- und Nachsatz als jeweils
8-seitiges Leporello von Christine Perthen
geprägtes Leinen, 256 Seiten