Sommersemester 2026, Theorie und Geschichte theorie_geschichte_forschung
Generative KI / Lernen an der Kunsthochschule
Generative KI und das Lernen an der Kunsthochschule - Denkräume zwischen Philosophie und Praxis
08.06.2026 |16:00 Uhr | Hörsaal | KHB Weißensee
„AI won’t take your job, but someone using AI will“ –die abstrakte Frage, ob KI irgendwann ‚den Menschen‘ ersetzt, wird hier in einen konkreten Handlungs- und Anpassungsdruck verwandelt: über Gewinnen oder Verlieren könnte schon bald entscheiden, wem es gelingt, KI am effektivsten in die eigene Praxis zu integrieren. Dies ist aber nur einer der Aspekte, die wir an der gegenwärtigen Erscheinungsform ‚künstlicher Intelligenz‘ kritisch diskutieren können. Denn es geht dabei nie allein um technische Werkzeuge, sondern immer um ein komplexes Geflecht materieller, sozialer, politischer, ökonomischer und ökologischer Dimensionen.
Ist das Auftauchen neuer Technologien an einer Kunsthochschule überhaupt etwas Neues? Wohl kaum. Seit Menschen Werkzeuge herstellen, Bilder schaffen und Schrift verwenden, werden neue Medien und Technologien kritisch reflektiert und in neue Praktiken überführt. Auch das Bauhaus reagierte auf die technologischen Umbrüche seiner Zeit: Propagierte es anfangs noch die Rückkehr zum Handwerk, rückte bald das Verhältnis des Menschen zu den neuen Technologien der Industriegesellschaft ins Zentrum seiner Programmatik. Damit prägte es die moderne Gestaltungsausbildung ebenso wie die künstlerischen Avantgarden der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Besonders im Bereich der Theorie drängt sich derzeit eine Frage auf: wird das kritische Denken, das wir im wissenschaftlichen und essayistischen Schreiben einüben, zunehmend an Large Language Models wie ChatGPT ausgelagert? Zugleich verändern generative Tools die Arbeitswelt und Lehre der Praxisdisziplinen: Worin besteht die Spezifik ihrer verkörperten Forschungsprozesse? Wo wird KI bald zum unverzichtbaren Werkzeug werden? Welche Kernkompetenzen von Kunst und Gestaltung entziehen sich auch künftig einer Substitution durch KI? Welchen Platz soll KI in Praxis und Lehre einnehmen und wo werden Refugien für analoge Praktiken gebraucht?
Die Veranstaltung bringt diese Fragen aus dem Alltag der Kunsthochschule in Beziehung zu aktuellen Debatten der Philosophie über Technik, Gesellschaft, Lernen und künstliche Intelligenz. Sie möchte Denkräume zwischen Philosophie und Praxis eröffnen, in denen eine gemeinsame Diskussion dieser Entwicklungen möglich wird.
Ablauf
Punkt 16:00 – Beginn
Kurze Einführung (Martin Beck, KHB Weißensee)
Vortrag: Die neue algorithmische Rationalität generativer KI und ihre Implikationen für Lernen, Wissen und Gestalten (Katia Schwerzmann, Uni Bochum)
Response und Input: Zur Situation an den Kunsthochschulen (Martin Beck, KHB Weißensee)
Gemeinsame Diskussion – alle sind eingeladen, ihre Perspektive einzubringen
ca. 18:00 - Ende
Kurzbiografien
Prof. Dr. Katia Schwerzmann ist Medien- und Technikphilosophin. Sie ist Vertretungsprofessorin am Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum sowie assoziierte Wissenschaftlerin am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und am SFB Virtuelle Lebenswelten der RUB. An der Schnittstelle von Körper, Politik und Technologie untersucht sie die Transformation des Verhältnisses zwischen Mensch und Maschine im Kontext der neuen algorithmischen Rationalität generativer KI. Ihre Forschung erschien u. a. in AI & Society, Philosophy & Technology, Social Text, Big Data & Society, Appareil und der Revue des sciences humaines. Ihr erstes Buch, Theorie des graphischen Feldes, wurde 2020 bei diaphanes veröffentlicht.
Prof. Dr. Martin Beck ist seit dem Sommersemester 2025 Gastprofessor für Theorie und Geschichte des Designs an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der UdK Berlin und der FU Berlin, Lecturer an der Rhode Island School of Design und Fellow an der Akademie Schloss Solitude. In seiner Forschung beschäftig er sich mit Design, Kunst und Bildkulturen im Kontext des Postdigitalen sowie mit der Frage, wie digitale Technologien unser Welt-, Selbst- und Sozialverhältnis prägen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Ästhetik, Affekt- und Körpertheorien sowie Theorien eines anschaulichen und verkörperten Denkens. Seine Monografie zu Bildlogik und anschaulichem Denken erschien 2023 bei Meiner.
Project categoryInformation Project subjects Theorie und Geschichte
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