Raumstrategien


Masterstudiengang Raumstrategien

Der weiterbildende Masterstudiengang „Raumstrategien“ entstand aus dem Konzept einer städtebaulichen und künstlerischen Praxis im urbanen Raum. Er antwortet auf die Notwendigkeit, die Begriffe von „Raum“ und „Öffentlichkeit“ in einer sich vor dem Hintergrund von Globalisierungsprozessen neu konfigurierenden Welt zu überdenken, und die Möglichkeiten für wirksame künstlerische Praxen im gesellschaftlichen Kontext zu erweitern. Dazu werden die Handlungsfelder des globalen, des virtuellen und des städtischen Raums fokussiert und „öffentlicher Raum“ und künstlerisches Agieren darin mit der Aktualität dieser drei „Räume“ konfrontiert.
Im Rahmen des Studiums werden die Faktoren und Wiedersprüche einer globalen Produktion des Raums beleuchtet, die von supranationalen Instanzen und finanziellen Transaktionen dominiert zu sein scheint; Urbanisierungsphänomene betrachtet, die sich herkömmlichen Erklärungsmodellen entziehen; weit gespannte und gleichzeitig zunehmend infrage gestellte Machtverhältnisse analysiert. Ebenfalls im Fokus stehen die Vervielfältigung von Repräsentationen, die mit der virtuellen (Re)Produktion und angeblichen Erweiterung des sozialen Raums durch künstliche Intelligenz und augmented reality einhergeht, die Infrastrukturen, die diese Entwicklungen beschleunigen—und nicht zuletzt die Möglichkeiten deren Aneignung durch Nutzerinnen. Im städtischen Raum gilt es, die Hintergründe verschiedener Planungsstrategien sowie die Folgen von Prozessen wie Privatisierung, Kommerzialisierung oder Touristifizierung festzustellen; die Effekte von Migrationsflüssen und Fluchterfahrungen sowie die Spuren heutiger Mobilität und Multilokalität anzuerkennen; neuartige Eigentumskonzepte sowie Formen der Selbstorganisation und des individuellen oder kollektiven Widerstands zu entdecken.
In einer Zeit, in der globale und technische Verflechtungen das lange für gültig gehaltene Verständnis von Öffentlichkeit als demokratischer Teilhabe an gesellschaftlichen Räumen und an lebenswichtigen Ressourcen tiefgreifend verändert haben, definiert sich auch die politische Verantwortung jeden/r einzelnen Akteur
in neu. Im Studiengang wird nach deren möglichen Formen und Bedingungen gesucht, indem künstlerisches Arbeiten mit dem Bestehen auf öffentlichem Raum als Austragungsort differenter gesellschaftlicher Fragen, Diskurse und Wünsche verbunden wird. Die Studierenden werden darin unterstützt, eigenständige Positionierungen im Raum zu entwickeln, die mal mit den Mitteln der künstlerischen Recherche, mal mit Solo oder Gruppen-Interventionen, mal durch Installationen, mal durch Videoarbeiten, Performances oder Drucksachen erfolgen können. Sie bedienen sich aller Medien und Ausdrucksformen, um komplexe Inhalte im jeweiligen Handlungsraum umzusetzen.

Das zweijährige, kostenpflichtige Studium wendet sich an Bewerberinnen aus allen künstlerischen, kunstwissenschaftlichen und Gestaltungsbereichen, an Architektinnen und Stadtforscherinnen sowie an Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftlerinnen. Es bietet eine Weiterqualifizierung an der Schnittstelle zwischen künstlerischer Praxis und Diskursen in Feldern wie Kunsttheorie und Kunstkritik, Stadtentwicklung und kritischer Stadtforschung, politischer Theorie, Migrationsstudien, Automatentheorie und digitaler Forensik. Übergeordnetes Ziel ist die Reflexion und Erarbeitung selbstständiger künstlerischer oder kunstaffiner Praxen, die sich in Bezug auf Stadt, Partizipation, künstlerischer Intervention, Architektur, Städtebau, Performativität, Kritik oder Kreativität, sowie auf politische, ökonomische und mediale Fragestellungen autonom, informiert und mit politischer Sensibilität positionieren.
„Raumstrategien“ fördert ausdrücklich Interdisziplinarität und peer learning: Neben unterschiedlichen beruflichen Qualifikationen bringen die Studierenden Erfahrungen aus sehr unterschiedlichen kulturellen, nationalen und biografischen Kontexten mit. Diese dezentralisieren übliche Perspektiven und ermöglichen es, vielseitige Einblicke in die behandelten Themen zu gewinnen.
Mit dem erfolgreichen Studium wird der Abschluss »Master of Arts« erworben.