Sommersemester 2015, BA/MA Textil- und Flächendesign

Material Intim

Sexualität ist im öffentlichen Raum extrem präsent, jedoch bleibt die dargestellte Realität einseitig und klischeehaft. Der Körper wird in diesem Kontext als optimierbares Werkzeug inszeniert, das vor allem funktionieren und gut aussehen muss. In dieser Vorstellung fehlen die Aspekte Intimität und lustvolle Selbstreflektion. Die Stimulation der Genitalien und das Erreichen von Orgasmen charakterisiert die gängige Vorstellung von sexuellem Lustgewinn. Dabei befinden sich auf der gesamten Haut Rezeptoren die auf Berührungen reagieren. Welchen Reiz wir an welchen Stellen als erregend empfinden, ist nicht naturgegeben, sondern wird durch unsere Erfahrungen festgelegt. Die Synapsen die sich so bilden, sind veränderbar und können ständig erweitert werden. Somit hat unser ganzer Körper das Potential zur erogenen Zone. Ich möchte mit dem Projekt Material Intim eine unkonventionelle Beschäftigung mit der eigenen Lust und Erregbarkeit anstoßen. Es entsteht eine Kollektion von großen Tüchern, die direkt auf der Haut getragen werden sollen. Auf der Innenseite befinden sich jeweils zwei Oberflächenstrukturen, die ein haptisches Gegensatzpaar bilden. Die Oberflächen werden durch textile Techniken wie Sticken, Drucken und Lasen hergestellt. Alle Strukturen sollen primär nicht visuell, sondern haptisch erfahren werden, sie sind hart – weich, flach – hoch, warm – kalt und glatt – rau. Je nachdem wie ein Tuch am Körper getragen oder bewegt wird kommt immer eine andere Oberfläche mit verschiedenen Körperregionen in Berührung. Dadurch werden wechselnde taktile Erfahrungen ausgelöst. Die Tücher regen an, sich durch den Stoff selbst zu berühren oder von anderen berühren zu lassen und so neue intime Erfahrungen zu sammeln, ohne direkt in bekannte Erregungsmuster zu verfallen.

ProjektkategorieMaster Projekt-Fächer BA/MA Textil- und Flächendesign
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