Sommersemester 2026, BA/MA Visuelle Kommunikation VK_Startseite

mukbang

von Elon Arkless, Marlene Sandner und Friederike Keller

 

Tafelwerke aus dem Barock und der Fürstenzeit waren kunstvoll gestaltete Arrangements aus prunkvollen Gefäßen, Skulpturen und dekorativen Elementen, die auf festlich gedeckten Tafeln präsentiert wurden. Sie dienten nicht nur der Zierde, sondern auch als Ausdruck von Macht, Reichtum und kulturellem Anspruch der Gastgeber. Häufig waren sie thematisch inszeniert – etwa mit mythologischen oder allegorischen Motiven – und sollten die Gäste beeindrucken sowie Gespräche anregen. Dadurch wurden sie zu einem wichtigen Bestandteil höfischer Festkultur und sozialer Interaktion.

In unserem Projekt greifen wir die Idee der barocken Tafelwerke auf, um aktuelle „Brainrot“- Internetphänomene in einen neuen Kontext zu setzen. Durch die bewusste Übertreibung und Inszenierung von Trends, Memes und Symbolen entstehen zeitgenössische Tafelwerke, die ähnlich wie ihre historischen Vorbilder Aufmerksamkeit erzeugen und Gespräche anstoßen. Shein haul, XXL Ramen Mukbang mit Käsesoße (50 000 Kalorien), Bundeswehr Werbung, 67, Jumbo Schreiner isst die fünf schärfsten Bratwürste, pimple popping compilation, AI Porno Chatbots, lip smacking ASMR, Timmy/Hope der Wal, die längsten Fingernägel der Welt, REDO XXL, Verschwörungstheorien und Sektendokus, Dschungelcamp und Temu. Indem diese oft flüchtigen und scheinbar banalen Inhalte in eine prunkvolle, fast überladene Form übersetzt werden, machen wir ihre Wirkung sichtbar und laden gleichzeitig dazu ein, sie kritisch zu hinterfragen: Welche Bedeutung tragen sie, warum verbreiten sie sich, und was sagen sie über unsere Gegenwart aus? Wir gehen auf Recherche und untersuchen Redos XXL Schnitzel hin zu soziologischen Dynamiken, die sich im Hintergrund abspielen: Machtstrukturen, Dystopie, Befriedigungsmechanismen, Eskapismus, Fetischisierung, Ekel als Anziehung und Hyperkonsum. Mukbang-Videos als eine Strategie gegen Einsamkeit. Was all diese Phänomene verbindet, ist ihr bevorzugter Konsumort: das Sofa, das Bett, der halbdunkle Raum mit dem Handy als einziger Lichtquelle. Sie sind Inhalte des Rückzugs, des Alleinseins, des passiven Versinkens. Unser Projekt vollzieht eine bewusste räumliche Verschiebung: Wir holen diese privaten, oft schambesetzten oder gedankenlosen Konsummomente aus dem Halbdunkel des Privatraums heraus und stellen sie auf den Esstisch – buchstäblich. Indem wir aus ihnen Tafelwerke formen, überführen wir das Beiläufige ins Repräsentative, das Intime ins Soziale, das Wegklickbare ins Unübersehbare. Der Esstisch als historischer Ort der Gemeinschaft, der Inszenierung und des gesellschaftlichen Austauschs wird zur Bühne für das, was wir eigentlich lieber allein und im Verborgenen konsumieren.

 

Tafelwerke aus Barock und Fürstenzeit waren prunkvolle Arrangements aus Gefäßen, Skulpturen und dekorativen Elementen – Ausdruck von Macht, Reichtum und kulturellem Anspruch, thematisch inszeniert, um Gäste zu beeindrucken. Unser Projekt überträgt dieses Prinzip auf heutige „Brainrot“-Phänomene: Redo XXL, 67, Timmy der Wal oder pimple popping compilations. Indem wir diese flüchtigen Inhalte in eine prunkvolle Form übersetzen, machen wir ihre Wirkung sichtbar und laden ein, sie kritisch zu hinterfragen. All diese Inhalte verbindet ihr Konsumort: Sofa, Bett, Halbdunkel. Unser Projekt holt sie heraus und stellt sie auf den Esstisch – buchstäblich. Das Beiläufige wird repräsentativ, das Intime sozial, das Wegklickbare unübersehbar.

Supervision Prof. Kyung-hwa Choi-ahoi
Project categorySemester Project Project subjects BA/MA Visuelle Kommunikation
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