Sommersemester 2020, BA/MA Visuelle Kommunikation VK_Startseite_2020

ℳ · PAINTING DHAKA, 2020

„Low life high dreams - To live, paint and die in Dhaka“

 

Von Lukas Zeilinger.

 

2019 habe ich für ein Vierteljahr in den Slums von Dhaka gewohnt und bin eingetaucht in den Alltag und das Leben der Menschen an einem der ärmsten Orte der Welt. Drei Monate lang habe ich in Kooperation mit dem German Doctors e.V. an zwei Slumschulen eine Kunstform unterrichtet, die es so dort nicht gibt: Graffiti. Hier völlig selbstverständlich, sind Graffiti und Kunstunterricht in den Slums von Dhaka ein Luxusgut. Ein kultureller Luxus, der seinen Weg normalweise niemals an eine Slumschule finden würde. Das wollte ich än- dern. Ich wollte Kindern, die kaum eine Chance haben, den Mikrokosmos ihrer Wellblechsiedlung jemals zu verlassen, versuchen die Möglichkeit zu geben, ihren Namen in die Stadt zu tragen und gesehen zu werden. Gemeinsam mit den Schülern wollte ich ein Selbstbewusstsein und eine Sichtbarkeit kreieren, welche den Kindern durch das Hereingeboren-werden in ihren sozialen Stand, entsagt ist. Ihre Namen und Botschaften sollten auf den S-Bahnen der dortigen Zuggesellschaft Bangladesh Railway durch die Stadt fahren. Aus einem anfänglichen Kunstprojekt wurde mehr.

 

Je länger ich mit den Kindern Zeit verbrachte desto tiefer wurde unsere Verbundenheit. Es entstand eine Freundschaft, die ich zuvor nicht kannte. Eine Freundschaft, die mich mich mit großer Freude und mit tiefer Traurigkeit zugleich erfüllte. Ich konnte nicht anders, als einen tieferen Blick hinter die Fassade eines mir kurz zuvor noch völlig fremden Landes und seiner Hauptstadt zu werfen: Der Außenwelt präsentiert sich Bangladesch als fortschrittliches Land, angetrieben durch eine parlamentarische Demokratie. Dabei ist Bangladesch ein autokratischer Staat durch und durch. Eine Diktatur, die alles erdrückt was ihr schaden könnte. Oppositionsmitglieder verschwinden über Nacht, oder werden auf offener Straße ermordet. Kritische Facebookposts reichen aus, um Regierungskritiker ins Gefängnis zu bringen. Auf der internationalen Liste für Pressefreiheit belegt Bangladesch den Platz 151 von 180. Eine freie Berichterstattung im eigenen Land ist so gut wie nicht möglich. Der Rest der Welt scheint sich nicht für das Land nicht zu interessieren. Gleich- zeitig höhlen Korruption und Machenschaften das System des Landes immer weiter aus: vom Verkehrswesen bis hin in die obersten Regierungsetagen.

 

Ich beginne mich mehr und mehr mit diesem korrumpierten System zu beschäftigen. Versuche mit Men- schen vor Ort darüber zu sprechen, sie zu interviewen und zu verstehen. Ich lerne ein mir bis dahin völlig unbekanntes System mit ungeahnten Abgründen kennen. Ein gesellschaftliches System, welches jeden Tag neue soziale Abgründe erschafft und die Menschen im eigenen Land völlig vergisst und systematisch ent- wertet. Ich höre die Schilderungen, wie Polizei und private Sicherheitsfirmen mit brutaler Gewalt im Auftrag der Regierung die Slums der Stadt räumen, bevor Bulldozer und Bagger die Wellblechhütten und das Zu- hause von tausenden Menschen zermalmen. Ich kann förmlich spüren, wie den Menschen auf brutalste Art und Weise ihre Lebensgrundlage entrissen, und ihnen zu verstehen gegeben wird, dass sie keinerlei Wert besitzen.

Der Film dokumentiert meinen Aufenthalt in Dhaka und begleitet das Projekt PAINTING DHAKA.

Participants Lukas Zeilinger
Supervision Prof. Barbara Junge
Project category Project subjects BA/MA Visuelle Kommunikation
Lukas Zeilinger, MA
Lukas Zeilinger, MA
Lukas Zeilinger, MA
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Lukas Zeilinger, MA
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