Summer Semester 2012,

Transgression

Transgression: Transgression/= Übertretung, Verletzung, Sünde

Geologisch auch Vordringen des Meeres über große Flächen des Festlandes

 

Transgression ist eine Reise zwischen den Instanzen unseres menschlichen Körpers, zwischen der Wahrheit, wer und was wir wirklich sind, und dem unbekannten Neuland, von Traum und Illusion.

Es ist der materialgewordene Grenzgang zwischen Körperlichkeit und Verhüllung.

Auf poetische Weise umfasst es meine Überlegungen zu dem Ineinandergreifen unserer natürlichen Haut und die der künstlichen Oberfläche, die unsere Bekleidung ist.

Es geht um die fleischliche Lust und das Verbot, das sich darin verbirgt, um Scham und Exhibitionismus. Die Konturen verschwimmen, wenn es darum geht welche Form der Hülle unser Ich präsentiert.

Wir als Mensch bewegen uns in dem Spannungsfeld zwischen Innerlichkeit und Äußerlichkeit. Je nach Stimmung und Anlass entscheidet jeder für sich selbst wo dabei die Grenzen von Wahrnehmung und Realität liegen.

Unsere blosse Haut funktioniert als natürliche Körpergrenze, als Verkleidung, Schutz oder Schmuck. Sie ist gleichzeitig Indentifikationsmerkmal und Projektionsfläche von Stimmungen und Eindrücken.

Darüber hinaus, was in uns eingeht zeigt sich auch nach außen hin. Unsere Hüllen offenbaren uns, gleichzeitig sind sie auch Maske.

Der schöne Schein von Makellosigkeit ist täuschend, denn direkt unter dieser reinen, glatten Fassade zeigt sich das fleischliche, blutige, gar hässliche.

Hinter unseren Panzern sind wir fragil und zerbrechlich.

Wir geben uns Mühe, unsere Körperlichkeit zu verbergen, gleichzeitig kosten wir von der fleischlichen Frucht, um sie anschließend aufs neue schamhaft zu verhüllen. Und Sündhaftigkeit ist auch Verzweiflung.

Doch woran verzweifeln wir, wenn nicht an unserer eigenen verborgenen Herrlichkeit und ihrem Schrecken. Wollen wir wirklich sehen, was sich hinter all dem verbirgt? Wo hört die Grenze unseres HautSelbst auf? Fängt sie dort an, wo wir sie anziehen, sie bemalen, sie zu erweitern beginnen? Oder sind wir nackt ein Niemand? Natürlich gibt es Orte, wo das nicht so ist- wo wir einfach sind- Mensch und Fleisch.

Körperbehaarung ist auch Teil der Hülle. Warum aber gibt es seit jeher auch die Bestrebungen sich der Körperbehaarung zu entledigen? Ist die Körperbehaarung nicht menschlich? Ist sie so hässlich?

Selbst die Schambehaarung gilt z.B. im Islam als unhygienisch, während in Japan sie das Zeichen der Weiblichkeit ist. Und in den USA stellt sich mittlerweile eine Randkultur des Schamhaarfetisch ein.

Fleisch und Blut, und alles, was sich hinter dem Vorhang unserer Haut, unserer Kleidung offenbart ist etwas hochintimes. Gleichzeitig birgt Nacktheit und Schamgefühl auch Macht und Stärke in sich, hat sie doch auch immer mit Erotik zu tun.

Der Fetisch von Haut, ob glatt, rau, kaputt, uneben oder aufgerissen, alles bewegt sich zwischen Ekel und erotischer Anziehung. Unsere Haut wie auch unsere Kleidung als erweiterte Hülle ist aufgeladen mit unserem Verständnis von den Dingen und der Welt. Wir spielen mit dem erotischen Moment, des Nacktsein und dem Bekleidetsein, dem Fetisch der sich darin gründet- sich an- und auszuziehen, beschützt zu sein, oder bloßzuliegen. Ein Spiel mit Vorstellung und Wirklichkeit, dass die Frage aufwirft, in wie weit wir unser Innerstes nach außen tragen. Und in wie weit wir diese Übertretung beeinflussen können. Wie verletzlich sind wir tatsächlich, hinter unsereren Hüllen?

Transgression ist die Grenzüberschreitung in das Neuland des Unsichtbaren, Verdeckten und dennoch Offensichtlichen. Unsere Vorstellungen von einem unangreifbaren Ich und einem unzerstörbaren Körper, sind nicht haltbar. In Wirklichkeit wird dies ein Traum bleiben, denn äussere Schönheit steht immer der Vergänglichkeit gegenüber.

Mir geht es um das Wechselspiel zwischen Anmut, schönem Schein, Fetisch und Ekel. Mal tritt einem das Glatte, Strahlende entgegen, mal das Morbide, Abstoßende. Die Flächen brechen auf, bilden Furchen und Risse. Es verschwimmen die Grenzen, zwischen dem, was ist, und dem, wie es sein soll. Es sind Stimmungsbilder zwischen Wunsch und Realität. Äußerer Schein und innere Wirklichkeit, zwischen Schau und Verdecktem.

Participants Diana Martina Dorfmüller
Supervision Prof. Tristan Pranyko
Project categoryDiploma
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