Winter Semester 2013 / 2014, BA/MA Textile- and Surface Design

OPEN SPACES

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Klöppelspitze als Ausdrucksform in der Oberflächengestaltung

 

Meine Meisterschülerarbeit ist eine Fortführung meiner theoretischen und praktischen Diplomarbeit, welche primär auf mein Inter­esse am traditionellen Spitzenhandwerk, speziell an der Klöppel­spitze, zurück geht und auf meinen Wunsch, diese Technik zu erlernen. Die Motivation bestand darin, selbst herauszufinden, wie komplex und aufwendig es ist, ein Gewebe anzufertigen, welches in der Lage ist, ganz ohne zusätzliches Trägermaterial zu »existieren«.

 

Dieser »offene« Charakter prägt alle uns bekannten Spitzenarten.

Allgemein bekannt ist die Spitze allerdings nur in ihren klassischen Mustern, die in jahrhundertelangen Traditionen gepflegt wurden. In meinem Projekt war es von großer Bedeutung, mit den traditio­nellen Handwerkstechniken der Spitze zu arbeiten, jedoch unter Verwendung einer neuen Designsprache gestalterische Freiräume zu eröffnen, die abseits ihrer Traditionen liegen und andere Kon­texte aufnehmen. Die Hauptidee bestand also darin, sich vom klassischen Bild der Spitze zu entfernen und diese mithilfe eines neuen Erscheinungsbildes, welches durch ungewöhnliche Formgebungen gekennzeichnet ist, zu ersetzen. Entscheidend bei der Entwicklung einer neuen Formensprache war, nicht auf ein beliebiges, zufälliges Verfahren zu setzen, sondern die textile Technik mit einem Bereich in Beziehung zu setzen, die wie eine Widerspiegelung des handwerklichen Prozesses funktionieren kann. Aus verschiedenen Gründen naheliegend erschien dabei die Bewegung von Tänzern, nicht nur, weil sie ebenfalls faszinierende offene Muster bilden, sondern auch aus der Analogie des Tanzes als gleichermaßen traditionsgebundene und sich erneuernde Ausdrucksform heraus.

 

Aktuell steigt das Interesse an in Handarbeit umgesetzten Textilen, nicht nur aufgrund der hohen Nachfrage an nachhaltigen Produkten, sondern auch wegen des besonderen, individuellen Charakters, welchen jedes Gewebe, in Handarbeit umgesetzt, mitbringt. Maschinell gefertigte Gewebe verfügen nicht über dieses besondere Wesensmerkmal. Dies ist auch ein wesentlicher Grund meiner Faszination für in Handarbeit umgesetzte Textilen und somit auch meine Motivation, meine Arbeit mit in Handarbeit gefertigten Textilien, im Besonderen mit der Klöppelspitze, fortzuführen.

Die Klöppelspitze strahlt durch ihr besonderes Wesen Individualität und Einzigartigkeit aus. Meine intensive Auseinandersetzung mit dem Wesen der Spitze und den vielseitigen Techniken erlaubt mir einen weitaus größeren und spielerischen Umgang mit dieser Handarbeit als jemals zuvor. Das gestattet mir den »Luxus«, tiefer in die Materie der Klöppelspitze einzutauchen, neue Ausdrucksformen zu ergründen und diese in neuen Strukturen und Texturen umzusetzen und, soweit es mir möglich ist, die Spitze durch neue und interessante Formen­bildungen in ihrem Aussehen und Wesen weiterzuentwickeln.

Participants Stefanie Mittmann
Supervision Prof. Clara Leskovar
Project categoryProject Project subjects BA/MA Textile- and Surface Design