Winter Semester 2011 / 2012,

Mankurtinen in der Megapolis

Es geht um das Kasachische Brautkleid in den Zeiten der Globalisierung. Dieses Globale Phänomen hat die ganzen Welt beeinflusst. In diesem Fall reflektiere ich dieses, auch in anderen Kulturen aktuelle Thema am Beispiel Kasachstans.

 

Das Problem des Identitätsverlustes in meinem Heimatland und der Verlust der traditionellen Werte, und das Vergessen der eigenen Herkunft spiegelt sich auch im Titel meiner Arbeit «Mankurtinnen in der Megapolis» wieder.

In der Region Zentralasien gibt es den Begriff Mankurtismus, der den Verlust der nationalen Wurzeln, der traditionellen Werte und der Kultur beschreibt. Früher bezeichnete man Sklaven, bei denen mittels einer bestimmten Technik ein Erinnerungsverlust erzeugt wurde als Mankurten. Heute benutzt man diesen Begriff für Menschen, die bewusst oder unbewusst andere kulturelle Werte übernehmen. Dieser Verlust betrifft die Sitten, die Moral und sogar die Sprache, wobei diese durch andere kulturelle Werte ersetzt werden. Eine der Ursachen dieses Phänomens in unserer Zeit ist die Globalisierung.

Das Verschwindens des traditionellen Brautkleides der Kasachen, sowie der "Saukele" (die Saukele ist der traditionelle Kopfschmuck der Braut, und untrennbarer Teil des ursprünglichen kasachischen Hochzeitskleides) ist eines der Zeichen dieses Vergessens der eigenen Traditionen.

Die Form des modernen Brautkleides ist ein Symbol, dessen Bedeutung in der ganzen Welt verstanden wird. In früheren Zeiten, als jede Kultur eigene, ursprüngliche Formen des Brautkleides besessen hat, zeigte sich in diesen der unermessliche Reichtum ritueller und kultureller Vielfalt. Seit Anfang des 20.Jahrhunderts hat sich nun die weiße Brautmode nahezu weltweit durchgesetzt, und wird von Vielen für eine bereits tief verwurzelte Tradition gehalten.

 

Insbesondere heute ist die Frage des Problems der Identität fast in ganzen Welt offen, da sie nicht nur vom Volk, sondern auch von der Politik, der Ökonomie, dem sozialen Leben des Landes, und natürlich von der inneren Kultur jedes Einzelnen abhängig ist.

Es geht um Soziale und Kulturelle Orientierung jedes Landes.

 

Das moderne Leben mit seinen neuen Wertvorstellungen ist inzwischen so

selbstverständlich geworden, dass ein Anknüpfen an die alten nomadischen

Traditionen nahezu unmöglich erscheint, und vielleicht auch nicht mehr

passend ist. Und weil wir schon keine richtigen Nomaden mehr sind, frage ich

mich, was sollen wir, als neue Generation, behalten, und was sollen wir

loslassen? Worauf müssen wir in dem gegenwärtigen Wandlungsprozess

achten?

Wenn wir bestimmte Traditionen behalten wollen, dann scheint es mir wichtig

zu sein, an diese Traditionen auch glauben zu können, und nicht nur ihre

äußere Form in einer oberflächlichen Weise zu imitieren, wie es z.B. oft bei

neuartigen Macharten der Saukele zu sehen ist, wo etwa ihre Höhe keine Rolle mehr spielt, oder die bedeutungsvollen Symbole zu einer primitiven

Ornamentik verkommen sind. Aber zumindest bei denjenigen Traditionen, die

heutzutage noch existieren, sollten wir uns über die darin enthaltene, von

unseren Vorfahren überlieferte Bedeutung und Weisheit bewusst sein!

Ausgehend von diesen Analysen und Gedanken fragt man sich, ob es

überhaupt sinnvoll ist, sich soviel mit diesem Thema zu beschäftigen, oder ob

man einfach im Fluss der Ereignisse, ohne nachzudenken weiterleben sollte.

Allerdings ist es, meiner Meinung nach, einer der wesentlichsten Faktoren

unseres Denkens und Fühlens, zu wissen, wer man ist, wenn man dem

Wandlungsprozess ruhig begegnen, und sich nicht in der Masse und in der

Gleichförmigkeit verlieren will!

Participants Gulnur Mukazhanova
Supervision Prof. Tristan Pranyko
Project categoryDiploma
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