Wintersemester 2014/2015, MA Raumstrategien Raumstrategien_Startseite

Was sind Raumstrategien?

Die Öffentlichkeit ist ein Loch, das zu schleißen, sich alle zusammen bemühten. Es konnte aber nicht gestopft werden, weshalb man es bald Öffentlichkeit nannte. ...Das Geld, das durch dieses Loch zieht, ist wie ein Sieb. Es bewahrt nichts auf und hat nichts festgehalten, an das wir uns erinnern können.

 

Der weiterbildende Master-Studiengang Raumstrategien entstand aus dem Konzept einer architekturbezogenen und künstlerischen Praxis im städtischen Raum. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Disziplin „Kunst im öffentlichen Raum“, die seit der Nachkriegsmoderne einer der wichtigsten Austragungsorte für die Diskussion der sozialen Relevanz von Kunst war. In der sogenannten globalisierten Welt ist es jedoch notwendig geworden, den Begriff von „Raum“ und den Begriff von „Öffentlichkeit“ zu überdenken, um eine kritische künstlerische Praxis in der Aktualität von öffentlichem Raum zu entwickeln.

 

Wir fassen den Begriff „Raum“ als virtuellen, globalen und städtischen Raum auf. Wir möchten „öffentlichen Raum“ und künstlerisches Agieren darin mit der Aktualität dieser drei „Räume“ konfrontieren. Wir fragen, wie und wodurch Vorstellungen von z.B. Stadt, Partizipation, künstlerischer Interventionen, Architektur, Performativität, Kritik oder Kreativität in diesen drei Räumen geprägt sind.

 

Alle drei „Räume“ stellen Herausforderungen an uns, nicht nur wegen der Rasanz der globalen und technischen Vernetzungen, sondern vor allem wegen einer Neubestimmung des „Öffentlichen“ generell. Wie kann man die politische Verantwortung der/s einzelnen AkteurIn in diesen Räumen annoncieren, wenn die globalen Entwicklungen der letzten 20 Jahre das, was wir unter einer gemeinsamen Grundlage von „Öffentlichkeit“ verstehen - die demokratische Teilhabe an gesellschaftlichen Räumen, an Lebensräumen und an lebenswichtigen Resourcen - weitgehend untergraben haben?

 

Der Studiengang verbindet künstlerisches Arbeiten mit dem Bestehen auf öffentlichem Raum als Sphäre der demokratischen Teilhabe. Die Möglichkeiten dieser Praxis beruhen auf der Entwicklung von Urteilsfähigkeit. Kritik ist nicht per se da, man muss lernen, sie zu formulieren und sichtbar zu machen.

 

Angesprochen sind BewerberInnen aus allen künstlerischen und kunstwissenschaftlichen Bereichen, aus Architektur und Stadtforschung und aus kultur-, geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengängen. Das Studium bietet eine Weiterqualifizierung an der Schnittstelle zwischen künstlerischer Praxis und Diskursen in Feldern wie Kunsttheorie / Kunstkritik, politischer Theorie und Kunstgeschichte, kritischer Stadtforschung, Migrationsstudien oder Automaten- und Computertheorie. Schlagwörter wie Artistic Research, Transdisziplinarität, Intervention und Artistic Curating sollen kritisch hinterfragt werden. In den Blick genommen wird dabei auch die eigene Studienstruktur als Teil des Bolognaprozesses, also als Teil eines Prozesses, der Wissen jenem Effizienzgehorsam unterwirft, der es für die Arbeitsmärkte anwendbar machen soll, die morgen schon wieder wegrationalisiert sind. Diese Ökonomisierung von Wissen verläuft parallel zur Ökonomisierung von Stadt, und es wird ein spannender Aspekt für uns sein, diese Parallelität zu erforschen – an der Stadt, an den virtuellen und globalen Räumen und an uns selbst.

 

Weiteres Ziel des Studiengangs ist deswegen die Entwicklung und Vorstellung einer eigenständigen künstlerischen oder kunstaffinen Praxis, die vor allem von Autonomie und politischer Sensibilität geprägt ist. Diese Praxis entspricht keiner der professionellen Kategorisierungen wie: StadtplanerIn, BildhauerIn, Interventions-, Performance-, InstallationskünstlerIn, QuartiermanagerIn, KulturmanagerIn oder KommunikationsdesignerIn. Vielmehr soll sie in Felder hineingetragen werden, in denen sich berufliche Tätigkeiten ohnehin oft quer und nicht gemäß vorgeplanter Berufsprofile entwickeln. Wir gehen insofern von einem grundsätzlichen künstlerischen und kritischen Potential aus, das in allen der oben angesprochenen Studien- und Berufsbereiche steckt.

 

Seit dem Wintersemester 2013 / 2014 haben wir den Studiengang thematisch in die drei oben erwähnten Bereiche aufgeteilt. Diese drei Schwerpunkte werden begleitet von Grundsatzdiskussionen über künstlerische Methoden und Selbstverständnisse, gemeinsame Kolloquien und Einzelbesprechungen.

Im Studiengang sind StudentInnen mit sehr unterschiedlichen kulturellen, nationalen und biografischen Hintergründen vertreten. Diese Diversheit ist eine große Chance, die oben erwähnten Themen durch die individuellen Erfahrungen der einzelnen StudentInnen konkret werden zu lassen.

 

Mit dem erfolgreichen Studium wird der Abschluss »Master of Arts« erworben.

Berlin, den 15. Oktober 2014, Alice Creischer, Andreas Siekmann

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