Wintersemester 2012/13, Künstlerische + Gestalterische Grundlagen

Treibhaus Fernsehen

Ein Ausstellungsprojekt im ARD-Hauptstadtstudio aus dem Jahr 2007. Die Architektur von Ortner und Ortner, deren Entwurf die Idee eines flexiblen Gebäudes als Werkzeug der Kommunikation zugrunde liegt, bietet einen idealen räumlichen Kontext für künstlerische temporäre Interventionen. Der Bezug zum übergeordneten Semesterthema „Raum und Zeit“ konnte so in mehrfacher Hinsicht hergestellt werden. Die Dokumentation ist jetzt gedruckt erschienen.

 

Hrsg.: Kunsthochschule Berlin Weißensee

Auststellungsorganisation: Berndt Wilde, S.D. Sauerbier, Ueli Bänziger

Gestaltung: Tawan Arun

Texte zu den Arbeiten: Gesine Last

Auszüge: S. D. Sauerbier. Seife waschen. Neue Folge

Preis: 3 Euro

Fotos : Heike Overberg und Andreas Lisinger

Betreuung Tawan Arun
ProjektkategorieSemesterprojekt Projekt-Fächer Künstlerische + Gestalterische Grundlagen
Grenzgänger
Grenzgänger
Matthias Wermke
Geb. 1978 in Berlin

DVD-Installation
Areal des Deutschen Bundestags, menschenleer. Spätsommer 2006: Matthias Wermke geht nackt über den Betonboden und steigt ins Wasser. Er durchschwimmt die Spree vom Ostufer zum Westufer. An beiden Ufern führen Treppen in den Fluss und lenken seine Schritte auch unter der Wasseroberfläche. Sie markieren einen Weg, eine Verbindung, die durch das Wasser bedeckt ist. Und gleichzeitig eine unsichtbare Grenze, eine Narbe deutsch-deutscher Geschichte im politischen Zentrum der Stadt.
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Mit diesen Leuten ist nicht zu spaßen, Hannelore K.
Mit diesen Leuten ist nicht zu spaßen, Hannelore K.
Katharina Lüdicke
Geb. 1981 in Potsdam-Babelsberg

Collageobjekt
Für ihre Arbeit am „Bilderteppich“ hat Katharina Lüdicke Bilder aus Tageszeitungen gesammelt, die von Protest, Gewalt und Krieg berichten. Aus ihrem Kontext gerissen, verlieren sich die Bilder in der Masse. Sie werden zu einer Flutwelle, die in das Foyer des ARD-Hauptstadtstudios schwappt und sich über Wand und Boden ausbreitet. Sind die Bilder jetzt noch unverwechselbar, einmalig? Oder schon austauschbar, beliebig? Selbst der Titel „Mit diesen Leuten ist nicht zu spaßen“ ist der Zeitung entnommen.
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Treibhaus
Treibhaus
Erik Alblas
Geb.1965 in Boskoop, Niederlande

Installation
Erik Alblas zeigt ein experimentelles Gewächshaus, das von einer Zeituhr gesteuert nach einem festen Tagesablauf funktioniert. Hier werden verschiedene Methoden von Testverfahren für Pflanzenwachstum
genutzt. Dieses reduzierte Treibhaus ist mit Pflanzen, Technik und Spielzeug bestückt. Einige Objekte sind kinetisch verfahrbar und drehen sich auf Knopfdruck um die eigene Achse. Sinn, Unsinn und Selbstironie sind Themen dieser Arbeit, die auf Methoden professioneller Pressearbeit spielerisch Bezug nimmt.
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Fern Sehen
Fern Sehen
Carolin Wachter
Geb. 1979 in Essen

Installation und Objekte

Carolin Wachter verteilt fünf Diagucker im ARD-Hauptstadtstudio. Diese zeigen Bilder von Meereshorizonten zu verschiedenen Tageszeiten und bei unterschiedlichen Lichtstimmungen.
Der gewählte Ausschnitt ist stets derselbe. So bleibt die Bildinformation die gleiche, die chronologische Verschiebung macht den Unterschied. Die Diagucker öffnen den Blick in die Ferne. Ein Blick durch einen Diagucker weckt im Betrachter Fernweh und führt ihn in andere Sinnräume - eine künstlerische Interpretation von Fern - Sehen.
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Polit-polite
Polit-polite
Andreas Fischbach
Geb. 1982 in Lugano

Acryl auf Leinwand, 300 x 200 cm

Zivilisation gegen Natur: Mensch und Tier mischen sich in einem dem Weltuntergang nahen Szenario. Graue Wohnmaschinen sind von robotergleichen Menschen bevölkert. Mit Lanzen setzen sie sich gegen tierische Kreaturen zur Wehr. Diese überlebensgroßen Fabelwesen beißen sich mit mächtigen Zähnen durch die urbane Architektur. Landschaftselemente wie Berggipfel oder Wellen sind von Andreas Fischbach in grellen, satten Farben dargestellt. Apokalyptisch verdichtet sich das Gegenständliche zum Abstrakten.
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Kamera
Kamera
Raul Walch
Geb. 1980 in Frankfurt am Main

Objekt

Eine Kamera betreibt Nabelschau: Statt Bilder von außen zu übertragen, dreht sich die Kamera von Raul Walch autistisch um die eigene Achse. Sie zirkuliert mit einem derart hohen Tempo, dass Alles diffus verschwimmt. Gelangweilt vom Geschwindigkeitsrausch verweigert sie sich ihrem eigentlichen Zweck und führt sich selbst ad absurdum. Es wird unmöglich, präzise Bildinformationen zu entschlüsseln. Die Arbeit thematisiert Kontrolle und Kontrollverlust einer Ära auf der permanenten Überholspur.
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European City Transit
European City Transit
Tawan Arun
Geb. 1982 in Paris

von Vannes zu Van Fotos und Objekte

Das Konzept von Tawan Arun sieht folgende Versuchsanordnung vor: Europäische Städte werden von ihren Bewohnern fahrend mit der Kamera erkundet. Ein Fahrer bestimmt die Route, ein Fotografierender dokumentiert das Er-Fahrene. Urbane Räume werden so aus individuellen Perspektiven sichtbar gemacht. Den Künstler interessiert hierbei die Frage nach der Einheit Europas. Welche Verwandtschaften und Analogien gibt es in den Städten? Dem Betrachter bietet die Fotoarbeit eine Möglichkeit zum Vergleich.
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Sechs Objekte. Sechs Stationen
Sechs Objekte. Sechs Stationen
Sonja Meyer
Geb. 1983 in Soest
Klaas Hübner
Geb. 1979 in Grossburgwedel

Objektcollagen, Fotodokumentation

Kunst als Schwamm: Die Künstler fordern dazu auf, die Gestalt ihrer Objekte aktiv zu verändern. Die Exponate von Klaas Hübner und Sonja Meyer saugen Wörter und Sätze von außen auf. Sie reagieren auf fremde Impulse und erhalten durch Anpassung ihre temporäre Form. Fremde Gedanken und Ideen werden in die Dreidimensionalität transformiert.
Im Austausch mit Anderen durchläuft das Kunstwerk eine fortlaufende Metamorphose. So entsteht eine künstlerische Kettenreaktion. Kunst als Kommunikation.
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Illumination
Illumination
Soichiro Mitsuya
Geb. 1980 in Osaka

Objekt

Soichiro Mitsuya untersucht, wie unser Wahrnehmungs - und Erinnerungssystem funktioniert und beeinflusst wird.
Das Phänomen der Überlagerung:
Töne, Farben und Bilder des Alltäglichen werden übereinander gelegt, neue Sinnzusammenhänge und Lesbarkeiten entstehen. Das ausgestellte Objekt erinnert ostentativ an die DDR. Aber was verbirgt sich hinter dem Spruch „Handwerk forever“? Mitsuyas Arbeiten thematisieren das durch Übersättigung unverständlich Gewordene in einer technisierten Kommunikationskultur.
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Die Vorüberlaufenden
Die Vorüberlaufenden
Katrin Wegemann
Geb. 1982 in Recklinghausen

Objekte

Katrin Wegemann untersucht mit ihrer Arbeit Formen und Eigenschaften von Wachs, die gleichzeitig als bildlicher Ausdruck für Gefühlszustände gelesen werden können: Widerstand, Schmelzen, Fließen, Erstarren: Über das Geländer eines Querstegs im Inneren des Gebäudes schmiegen sich Streifen
aus weißem Wachs. Dabei erinnern die minimalistischen Plastiken selbstironisch
an zum Trocknen aufgehängte Tücher.
„Die Vorüberlaufenden“ wirken durch ihre verformte Materialität und ihre Gegenwart im Raum.
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Doppelspiele
Doppelspiele
Jan Vormann
Geb. 1983 im Bamberg

Installation

Das Fernsehbild als Spiegel der Wirklichkeit. Jan Vormann verkleidet einen Fernsehmonitor mit semitransparenter Folie, die das
Gesicht des Betrachters spiegelt. Durch das Verdecken des Bildzentrums wird der Fokus der gezeigten Informationen verändert. Reale Bilder überlagern die gesendeten Bilder und verändern den Kontext des Gezeigten.
Der Betrachter wird Bestandteil der Installation „Doppelspiele“.
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Sonnenuhr
Sonnenuhr
Dmitry Andreev
Geb. 1983 in Leningrad / Sankt Petersburg

Modell

Die interaktive, begehbare Installation von Dmitry Andreev beleuchtet das Verhältnis von Materie, Raum und Zeit. Eine künstliche Lichtquelle, elf stufenartig arrangierte Kegel, ein ovaler Spiegel sowie ein spiegelverkehrtes Ziffernblatt bilden eine Sonnenuhr. Der Besucher kann durch seine Aktivität die Relativität von Raum und Zeit erfahren, Geschwindigkeit und Bewegung definieren und mit seinem Schatten Zeit lesbar machen. So vervollständigt der Betrachter die Arbeit mit seiner körperlichen Anwesenheit.
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Es gibt natürlich auch Formate
Es gibt natürlich auch Formate
Rico Schalück
Geb. 1977 in Bad Segeberg

Es gibt natürlich auch Formate,
die gut recherchierte Reportagen ermöglichen.
Sie können in Zukunft die Stärke des öffentlich- rechtlichen Fernsehens sein. Die Welt des Fernsehens war schon immer eine andere Welt, genauso wie die der Kunst.

Für die Recherche zu seiner Arbeit hat Rico Schalück Eindrücke hinter den Kulissen
des ARD-Hauptstadtstudios gesammelt. Komplexe Zusammenhänge werden in einem einfachen Bild dargestellt. Schwarz auf weiß füllt jedes Wort ein DIN A4 Blatt. Wort stapelt sich auf Wort. Wie bei einem Kartenspiel sind dabei immer neue Kombinationen möglich. Der Text liegt im Auge des Betrachters.
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Will you try my wings
Will you try my wings
Jie Zhang
Geb. 1982 in Peking

Will you try my wings?

Performance, Fotoserie und Taschenbuch

Alles beginnt mit einem weggeworfenen Pullover, der von Jie Zhang liebevoll umgestaltet wird. Die Künstlerin stickt weiße Baumwollhandschuhe als Flügel auf die Schultern. In ihrer für die ARD entwickelten Performance fragt sie freimütig: „Will you try my wings? “ Wer sich darauf einlässt und seine Hände in die „Flügel“ schiebt, geht mit der Künstlerin auf Tuchfühlung. So lädt die gebürtige Chinesin Fremde ein, sie zu umarmen und einen glücklichen Moment mit ihr zu teilen. Ein Spiel mit Nähe und Grenzüberwindung.
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Leben in Puppen
Leben in Puppen
Elisabeth Kniest
Geb. 1985 in Grevesmühlen

Leben in Puppen?

Fotoserie

Die Serie „Leben in Puppen“ von Elisabeth Kniest umfasst neun Schwarzweißfotografien. Die Arbeiten spiegeln beiläufige Szenen des Großstadtalltags. Menschen werfen im Vorübergehen Blicke in Schaufenster. Ihre Spiegelungen verschmelzen mit der artifiziellen Schönheit der Modepuppen und urbanen Architekturelementen. Bewegung trifft auf Statik, Träume auf Realität und Kunst auf Kommerz. Mode wird hier gezeigt als Verkörperung eines Lebensgefühls und als sich ständig wandelndes Medium der Inszenierung.
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o.T.
o.T.
Christian Schellenberger
Geb. 1985 in Berlin

Zeichnung

Christian Schellenberger zeigt im ARD-Hauptstadtstudio eine großformatige abstrakte Grafitarbeit. Was sich dem Betrachter auf den ersten Blick als undurchdringliches Liniendickicht präsentiert, offenbart nach und nach lesbare Zeichen.
Auf einer stadtplanähnlichen Struktur verdichtet der Künstler Strömungslinien, Knotenpunkte, Symbole und Buchstaben zu einem geheimnisvollen Code. Gedanken, Erinnerungen und Emotionen werden durch die vielschichtige Zeichnung in Bewegung gesetzt.
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Splitting Situations
Splitting Situations
Sandra Wieser
Geb. 1985 in Genf
Anna-Maria Herms
Geb. 1979 in Wismar

DVD-Installation „Splitting Situations“, 2007

Sandra Wieser und Anna-Maria Herms nutzen für ihre Installation das Split-Screen- Verfahren, indem sie sich gegenseitig mit der Kamera aufnehmen und über Bildschirme kommunizieren. Eine Situation, gefilmt aus verschiedenen Blickwinkeln. Der Betrachter fügt diese gespaltene Situation wieder
zu einer (neuen) Einheit zusammen. So
wird auch die selektive Vorauswahl der Medien thematisiert. „Splitting Situations“ untersucht Wahrnehmung, Auswahl und Begrenzung des Blicks und damit zentrale Charakteristika von Fernsehen.
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