Sommersemester 2010, BA/MA Textil- und Flächendesign GreenLab

OLD NEWS

PAPIERGARN AUS ZEITUNGEN

Zeitungspapier ist ein billiges Material, mit relativ kurzer Lebensdauer. Kann man aus diesem Material etwas herstellen, das stabil ist, lange hält und einen hohen materiellen Wert hat?

London Underground, 9 Uhr morgens. Nach dem morgendlichen Berufsverkehr haben sich die Wagen der U-Bahn wieder geleert. Was zurück bleibt sind alte Zeitungen. Überall liegen sie herum. Die Information des Tages gelesen, verarbeitet und weggeworfen. Im Allgemeinen wird der Wert von Zeitungen weniger in ihrem Materialwert gesehen als in ihrem Informationsgehalt, und der hat nur eine kurze Lebensspanne. Sie bestehen aus Material, sind aber primär ein Medium für einen immateriellen, sich ständig erneuernden Strom von Informationen. Doch ist das Material nicht unwichtig. Es ist ein Unterschied, ob man dieselbe Information aus der Zeitung liest, die man in der Hand hält, oder vom Bildschirm. In ihrer visuellen und taktilen Präsenz sind sie – mehr als die Rundfunkmedien und das Internet – ein persönliches Medium, geprägt durch den realen Moment der Rezeption.

OLD NEWS überträgt diese Aspekte von Zeitungen in ein Objekt. Hierfür wird das Grundmaterial des Zeitungspapiers zu Garn verarbeitet. Die Herstellung von Papiergarn hat eine uralte Tradition und kommt ursprünglich aus Japan, wo handgeschöpftes Washipapier verwendet wird. Obwohl Zeitungspapier ein billiges Material ist, kann es aufgrund seiner dünnen Papierqualität ebenfalls

gut zu Garn verarbeitet werden. Die Zeitungen werden dabei in 1-4 cm breite Streifen geschnitten und mittels eines selbst hergestellten Klebstoffs zu langen Bahnen verklebt. Diese Papierstreifen lassen sich dann zu Papiergarn verspinnen. Das Recycling des Materials, dessen Effekt vernachlässigbar ist, steht bei dieser Arbeit weniger im Vordergrund als die Ästhetik des Garns und seine unterschwellige Wirkung auf die Wahrnehmung. Sie hinterfragt die Nachhaltigkeit von Information und schafft durch deren Verwandlung in ein neues Material ein anderes Verhältnis zu ihr. Bruchstückhaft sind die veralteten Informationen noch erkennbar, aber ergeben keinen Zusammenhang mehr. Als Raumelement vermittelt es von Weitem die Anmutung einer vergrößerten Zeitungsseite, physisch präsent, aber von ihrem Inhalt geleert. Der ungefilterte Informationsfluss ist angehalten und unlesbar geworden. Stattdessen entfaltet sich eine andere Bedeutungsebene und das Spiel mit den sinnlichen Facetten des Materials.

RECYCLING/UPCYCLING

SHORT LIFE/LONG LIFE

Teilnehmer Jana Schiddel
ProjektkategorieSemesterprojekt Projekt-Fächer BA/MA Textil- und Flächendesign
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