Prof. Clara Leskovar


Statement

Die Erfassung des komplexen Zusammenspiels von Formgestaltung, Fläche, Materialität und Farbgebung am Menschen ist wesentlich im Mode-Design. Die Anforderungen an jedes einzelne Element sind durch immer vielschichtigere Bedürfnisse gestiegen. Somit ist der Designer in seiner Arbeitsweise stets gefordert, er muss vielseitig und offen sein. In der Praxis heißt das beispielsweise, gesellschaftliche und kulturelle Anforderungen an Gestaltung und praktische Erfordernisse im Entwurf zu berücksichtigen.
Die Gestaltung einer spezifischen Form hängt von den unterschiedlichsten Faktoren ab. Letztendlich ist der Kontext entscheidend, in dem die Entwurfsarbeit steht. Benötigt wird immer ein ganzheitliches Konzept, das während des gesamten Prozesses von der Idee bis zur Präsentation der fertigen Arbeit berücksichtigt werden muss. Deshalb wird schon früh im Studium schwerpunktmäßig auf die Entwicklung einer eigenen Haltung zum Entwurf hingearbeitet ebenso wie auf die überzeugende Darstellung des Konzeptes, der Idee. Das bleibt auch in der späteren Berufspraxis eine Herausforderung für jeden Designer.
Bei der Entwurfsarbeit sollte es neben konzeptionellem und analytischem Denken genügend Raum für das Experiment geben. Mit Hilfe des freien formbezogenen Experimentierens ohne spezifische inhaltliche Vorgaben können Probleme aufgezeigt und Problemlösung sowie Entscheidungsfindung geschult werden, sodass sich jeder Studierende individuell und nach seinen Bedürfnissen im Entwurfsprozess eigene Konzepte und entsprechende Lösungsansätze erarbeiten kann.
Der Entstehungsprozess ist dabei durch permanente Reflexion gekennzeichnet. Eine umfassende visuelle Recherche, das Ausprobieren, das Hinterfragen und die „Fehleranalyse“ helfen neue Gestaltungsmöglichkeiten zu entdecken. Größere Studienprojekte bieten weitere Möglichkeiten, sich als Gestalter zu finden und zu positionieren.

„Besorgen Sie sich einen Karton“*

Wochentag(e): Montag + Mittwoch
Ort: zweites Obergeschoss C2.03
Hauptstudium
Semester: WS 2017/18
Projekt: „Besorgen Sie sich einen Karton“*
Lehrende: Prof. Clara Leskovar, Prof. Doreen Schulz
Realisation Strick: Veronika Groß

Andy Warhol schreibt in seinem Buch 'The Philosophy of Andy Warhol' von 1975: „Ich arbeite von A bis B und zurück, gern an Sachen, die irgendwie übriggeblieben und in Vergessenheit geraten sind. Ich habe immer schon gedacht, daß hinter den beiseite gelegten Resten, die keiner mehr haben will, etwas Lustiges stecken könnte. Ein ʹleftoverʹ hat`s oft in sich – und außerdem wird Arbeit wiederverwertet.“
In Andy Warhols visuellen Tagebüchern den 'Time capsules'- einer Sammlung von über sechshundert Kartons - sind Bücher, Fotos, Plakate, Schallplatten, Zeitungsausschnitte, Kleidung, Briefe, Einladungskarten Tonbänder, Schuhe, Hüte, Tüten, Besteck, und vieles mehr übereinander gestapelt und verpackt.
In dem Entwurfsprojekt sollen die Studierenden aus ihrer eigenen Materialsammlung Silhouetten, Formen und Flächen herausarbeiten und diese zu einer stimmigen Kollektion zusammenführen.
Ziel ist die Erarbeitung eines ganzheitlichen Kollektionskonzeptes; dazu gehört eine umfangreiche Recherche, die zeichnerische Darstellung, Formgestaltung, Material- und Farbwahl. Umgesetzt sollen mindestens zwei, maximal drei Outfits.

Begleitet wird das Projekt von der Strickwerkstatt der weißensee kunsthochschule berlin, in der Stricktechniken gemeinsam mit den Studierenden entwickelt und in Bekleidung umgesetzt werden.
*Warhol, Andy (1975). The Philosophy of Andy Warhol (From A to B & Back Again). New York: Harcourt Brace Jovanovich.
ISBN 0-15-189050-1